Rezension von Frank Müller
Poker für Gewinner
Der systematische Erfolg im Limit Texas Holdem
Autoren: Marcel Luske, Jan Gustafsson
Seit der Pokerboom Deutschland mit großem Schwung erfasst hat, kommen die zentralen Werke der amerikanischen Pokerliteratur sukzessive auf den hiesigen Markt. Premium Poker Publishing, der Verlag, der bereits die vorzügliche deutsche Ausgabe von Harrington on Hold'em - Band 1 im März 2007 vorgelegt hat und plant, die wichtigsten amerikanischen Bücher in rascher Folge auf den deutschen Markt zu bringen, wartet nun mit einer Überraschung auf und publiziert mit Poker für Gewinner – Der systematische Erfolg im Limit Texas Holdem von Jan Gustafsson und Marcel Luske ein im Original deutschsprachiges Pokerbuch.
Um eins vorwegzunehmen: dieses Buch fällt nicht ansatzweise unter die Rubrik Abzocke, wie diese von etlichen anderen Verlagen aktuell mit dem Thema Poker betrieben wird.
Poker für Gewinner widmet sich ausschließlich der Limit-Variante von Texas Hold'em. Da Limit der optimale Einstieg ins Pokerleben ist, haben die Autoren mit ihrem Werk den Spagat gewagt, sowohl blutige Anfänger als auch fortgeschrittene Leser zu bedienen. Dieses Konzept geht auf, weil das Buch eine klare und sehr übersichtliche Struktur besitzt. Poker für Gewinner folgt einem durchdachten didaktischen Aufbau, der sich nach der Erläuterung fundamentaler Kenntnisse am chronologischen Ablauf einer Pokerhand orientiert. Das Buch ist in insgesamt sieben Kapitel eingeteilt, wobei Kapitel 1 einer sehr grundlegenden Einführung vorbehalten ist. Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Büchern besteht darin, dass ebenfalls gleich zu Beginn die verschiedenen Spielertypen und Spielstile erläutert werden. Das von vielen amerikanischen Autoren unzureichend thematisierte "Play the Player" begleitet den Leser bei Luske und Gustafsson somit durch das gesamte Buch. Der Leser erhält in Kapitel 2 das gesamte mathematische Grundgerüst – Odds, Outs, Pot Odds, Implied Odds – kurz und schlüssig erklärt, bevor Kapitel 3 alle Informationen für das richtige Spiel vor dem Flop liefert. Neben ausführlichen Erläuterungen zur Auswahl der Starthände liefern die Autoren auch übersichtliche Tabellen, mit welchen Händen und in welchen Positionen man das Spiel eröffnen kann.
Das umfangreichste Kapitel ist dem Spiel auf dem Flop gewidmet. Auch in diesem Abschnitt besitzt das Buch große didaktische Qualität und liefert einen sehr logisch geordneten Abriss über sämtliche Post-Flop-Konzepte. Für Anfänger dürfte dieses Kapitel einige schwer verdauliche Brocken enthalten, aber für jeden ambitionierten Pokerspieler ist die Fülle der Strategien ein Glücksfall. Es lohnt sich, dieses Kapitel 4 mehrfach zu lesen und die vielen verschiedenen Spielkonzepte zu verinnerlichen. Konsequenterweise widmen sich Kapitel 5 und Kapitel 6 dem Spiel auf dem Turn, bzw. River. Auch hier fehlt nichts, was der ehrgeizige Pokerspieler für seinen Erfolg benötigt: Free Showdown Raise, das Provozieren von Bluffs, geeignete Situationen für Bluffs auf dem River – die Autoren haben einfach an alles gedacht.
In allen vier Kapiteln, die sich mit den richtigen Spielweisen vor dem Flop, auf dem Flop sowie auf Turn und River beschäftigen, kann der Leser das Erlernte anhand zahlreicher Übungsaufgaben überprüfen.
Zum Abschluss des Buches werden in Kapitel 7 all die Dinge vermittelt, die ein guter Pokerspieler sonst noch braucht: z. B. ein gutes Bankroll Management, emotionale Stabilität und technische Hilfsmittel fürs Online-Spiel. Ein thematisch geordnetes Literaturverzeichnis und ein äußerst ausführliches und umfangreiches Glossar runden das Buch ab.
Abschließend lässt sich sagen, dass Marcel Luske und Jan Gustafsson mit Poker für Gewinner ein hervorragendes Grundlagenwerk für Limit Holdem vorgelegt haben, das dem Vergleich mit amerikanischen Konkurrenztiteln mühelos standhält. Für Anfänger und fortgeschrittene Spieler, die sich im Limit Holdem etablieren und verbessern wollen, ist es aufgrund seiner exzellenten didaktischen Aufbereitung und seiner Lesbarkeit das ideale Buch.
Rezension von Anja Thiemé, Media-Mania.de
Poker boomt überall; nicht zuletzt durch die Möglichkeiten des Online-Pokers finden immer mehr Leute den Weg an die – virtuellen – Spieltische. Dabei wird vor allem Texas Holdem, ob als No-Limit oder Limit-Variante gespielt. Das vorliegende Buch des Autorenduos Marcel Luske und Jan Gustafsson widmet sich voll und ganz der Aufgabe, dem Einsteiger Limit Holdem näher zu bringen. Diese Spielart eignet sich für Anfänger vor allem dadurch, dass nicht bei jeder Spielrunde alle Chips aufs Spiel gesetzt werden können, man also rein theoretisch, wenn man ein paar Regeln beachtet, nicht so viel verlieren kann wie im No-Limit.
In sieben umfangreichen Kapiteln wird dem Pokerneuling – aber auch erfahreneren Spielern – Limit Holdem erklärt. Dabei fangen die Autoren wirklich ganz am Anfang an, das erste Kapitel widmet sich daher den "Grundlagen zu Texas Limit Holdem". Hier werden zuerst die Spielregeln und der allgemeine Ablauf erklärt, dann folgen die verschiedenen Handtypen und einen kleinen Abriss über verschiedene Spieltypen und ihre Stile. Denn wenn man einschätzen kann, ob der Gegner eher zu den Fischen oder den Haien zählt, kann einem das schon ganz schön weiterhelfen. Doch auf diese psychologische Komponente wird später noch vertieft eingegangen.
Das zweite Kapitel erklärt "Mathematische Grundbegriffe und Wahrscheinlichkeiten". Fast jeder hat wohl schon die Begriffe "Odds", "Outs" und "Blanks" gehört, hier lernt der Leser, welche Varianten es gibt und was das überhaupt bedeuten soll. Auch wie man die Prozentwertigkeit seiner Karten, seine „Hand Value“ ausrechnet, erfährt man in diesem Kapitel.
In Kapitel drei bis sechs werden die verschiedenen Spielweisen in verschiedenen Spielstadien erklärt. Je nachdem, ob man gerade die Starthand spielt oder im Flop ist, oder ob bereits Turn oder River an der Reihe sind muss man anders spielen und seine Karten anders einschätzen. Diese Kapitel sind wirklich sehr umfangreich und bemühen sich, alle Eventualitäten abzudecken.
Das abschließende siebte Kapitel beschäftigt sich mit "Selbstmanagement und Hilfsmittel". Natürlich ist Schummeln verboten, doch man kann sich auch anders als mit falschen Karten behelfen. Wenn man die Körpersprache seiner Gegner lesen kann, kann man auch abschätzen, wann er blufft oder wann er sich bis zum Tilt nerven lässt – zu dem Punkt, an dem ihn die Nerven verlassen und er furchtbare Fehler macht, die man selbst ausnutzen kann. Aber auch, wie man vermeidet, selbst in diese Tilt-Situation zu geraten, wird erklärt. In diesem Kapitel wird auch auf das Phänomen des Online-Pokers eingegangen und ein paar Tipps und Tricks erklärt, die spezifisch für Internetspiele sind.
Für jeden, der sich weiter informieren möchte, finden sich am Ende des Buches Quellenangaben und Tipps zur weiterführenden Literatur, auch ein umfangreiches Glossar, in dem sämtliche Begriffe nochmals erklärt werden, findet sich hier. Ein Nachwort ergänzt das Vorwort und Informationen über die Autoren runden das Buch ab.
Das Buch ist sehr übersichtlich und leicht verständlich geschrieben. Die Autoren verzichten größtenteils auf Witzchen oder persönliche Erfahrungen, aber dennoch liest es sich sehr leicht und unterhaltsam. Die verschiedenen Hände oder Spielreihenfolgen sind durch Skizzen verdeutlicht, das macht es sehr viel einfacher hinter die Systematik zu kommen als nur auf den Text angewiesen zu sein.
Sehr gut gelungen sind die Quizteile, die sich am Ende jeden Kapitels zur Vertiefung des Gelernten finden. Hier kann man überprüfen, ob man sich alles gemerkt hat oder wo es noch Mängel gibt.
Die Zusammenarbeit der beiden Autoren ist perfekt um dem Einsteiger Limit Holdem zu erklären. Marcel Luske ist als "Spieler der alten Schule" wohl vielen ein Begriff, seine "Player of the Year"-Titeln tun ihr übriges um zu zeigen, dass hier ein wahrer Profi erklärt. Doch auch sein Kollege Jan Gustafsson muss sich nicht verstecken. Er gehört zu den typischen jungen Spielern, die im Online-Poker ihre ersten Erfahrungen machten und Erfolge feierten. Die Kombination aus diesen beiden Erfahrungen ermöglicht es, dass Gebiet umfassend abzudecken und nichts Wichtiges außer Acht zu lassen. Immer wieder erhält der Leser Tipps, was er denn bei dieser oder jener Spielart beachten muss, denn natürlich unterscheidet sich Live-Poker vom Online-Spiel.
Doch der Eindruck eines Anfängerbuches soll nicht entstehen. Auch wenn es Einsteigern das ganze Rüstzeug mitgibt, um am Tisch bestehen zu können, ist es auch für fortgeschrittenere Spieler empfehlenswert, da man ja niemals ganz auslernt.