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Ferguson, Chris (1)
Ferguson, Chris
Chris Ferguson ist ein lebendes Paradox, eine Inkarnation des Gegensatzes von Schein und Sein, und eine Demonstration, wie der Schein zum Sein werden kann.
 
Fergusons Erscheinungsbild bei Pokerturnieren – lange Haare, Bart, Cowboyhut, Spiegelbrille und seine Unerschütterlichkeit – ist sowohl mysteriös als auch furchteinflößend. Doch er erzeugte dieses Image künstlich, um seine Gegner davon abzubringen, seine Spielzüge als Produkt jahrelanger Studien der Spieltheorie und der Ausarbeitung optimaler Spielweisen anzusehen.
 
Irgendwie wurde aus dem gescheiten, ehemaligen College-Studenten dieser coole Typ. Natürlich brauchte es dafür mehr als lange Haare und einen Cowboyhut. Es brauchte unerreichte Turniererfolge und diese regelmäßig.
 
Fergusons erste dokumentierte Turniererfolge, die er während der ersten Hälfte seiner dreizehnjährigen Doktorandenodyssee errang, waren wenig verheißungsvoll, aber vielfältig: Vierter Platz bei einem Pai-Gow-Turnier im März 1993 und ein weiterer vierter Platz bei einem Asian-Stud-Turnier im Mai 1993.
 
Eine Zusammenfassung seines Pokerjahres 1994 erinnert an die Einträge im Pass eines Kriegskorrespondenten: L.A. Poker Classics, Master of Poker Championship (vier Platzierungen im Preisgeld), L.A. Poker Open (drei Platzierungen im Preisgeld), Big Poker Oktober (zwei Platzierungen im Preisgeld) und die Hall of Fame. Die Liste der Turniervarianten ist genauso vielfältig: Stud, Limit Hold'em, Lowball, Razz, Omaha Eight-or-Better, No-Limit Hold'em, Stud Eight-or-Better.
 
Das Gleiche gelang Chris Ferguson in den folgenden fünf Jahren, aber immer ein bisschen besser. Zwischen 1995 und 1999 erreichte er zwölfmal einen Preisgeldrang bei der WSOP und saß dabei siebenmal am Finaltisch. Bei kalifornischen Turnieren landete er regelmäßig im Preisgeld und gewann einige davon: Limit Hold'em im Jahr 1995, Pot-Limit Omaha und zwei No-Limit-Hold'em-Siege im Jahr 1996, Limit Hold'em im Jahr 1998, Pot-Limit im Jahr 1999.
 
In diesen Jahren lebte Chris zu Hause, quälte sich mit seiner Promotion und nahm "seltsame Jobs" beim Verteidigungsministerium und der kalifornischen Lotterie an. An der UCLA waren seine Fachgebiete Suchalgorithmen und künstliche Intelligenz. Für Ferguson waren dies Spiele, etwas was seine Eltern (beide promovierte Mathematiker) und sein älterer Bruder Marc (Programmierer) während seiner gesamten Kindheit taten. Außerdem lernte er die quantitative Analyse beim Wertpapierhandel.
 
Ende des Jahres 1999 sagte sein Doktorvater sanft zu ihm: "Chris, es ist Zeit zu promovieren." Als sein Stipendium auslief, erwarb er seinen Doktor in Informatik, verlegte sein Büro auf die andere Straßenseite und begann mit Börsengeschäften. Er freundete sich mit dem Chef des Büros, Ray Bitar, an.
 
Knapp sechs Monate später verzinsten sich alle seine Anstrengungen im Poker auf einen Schlag. Anfang Mai 2000 gewann er beim Seven- Card Stud sein erstes Armband bei der WSOP. Nachdem er bis zum Ende der Serie noch zwei weitere Male im Preisgeld gelandet war, gewann er schließlich die Weltmeisterschaft und nahm den Siegerscheck in Höhe von 1,5 Millionen Dollar entgegen, eine Geschichte, die James McManus in seinem berühmten Buch Positively Fifth Street aufgezeichnet hat.
 
Obwohl die "Jesus-Cowboy-Rockstar"-Rolle immer realer wurde, veränderten die Pokererfolge Chris Ferguson nicht wirklich. Er betrieb weiterhin Wertpapierhandel, spielte zusammen mit Ray Bitar Poker und andere Spiele im Internet und nahm an Turnieren mit mittleren Buy-Ins an der amerikanischen Westküste teil. Bitar und Ferguson begannen mit der Entwicklung einer Software für Internetpoker. Die Firma, die später den Namen TiltWare LL erhielt, war Ihre vorherrschende Beschäftigung im Jahr 2003, weshalb sie sich aus dem Wertpapierhandel zurückzogen.
 
Seit dem Jahr 2000 ist Ferguson bei der WSOP rücksichtslos über seine Kontrahenten hergefallen. 2001 erreichte er sechs Platzierungen im Preisgeld und gewann in der Variante Omaha Eight-or-Better sein drittes Armband. Im Jahr 2003 schnitt er noch besser ab, stellte mit acht Preisgeldrängen und fünf Teilnahmen am Finaltisch Rekorde auf und gewann zwei weitere Armbänder, eines erneut in Omaha Eight-or-Better und eines in Half-Stud/Half-Hold'em. 2004 gelangte er viermal ins Preisgeld, erreichte drei Finaltische und landete beim Hauptturnier auf Platz 26. Sechsmal erreichte er im Jahr 2005 die Preisgeldränge, davon zweimal den Finaltisch bei Pot-Limit-Omaha-Turnieren, und weitere dreimal im Jahr 2006. Als Harrah's Anfang 2005 die World Series of Poker Circuit ins Leben rief, bestätigte Ferguson seine Extraklasse mit drei Finaltisch-Teilnahmen und zwei Siegen. Außerdem gewann er 10 von 12 Heads-Up-Auseinandersetzungen, die im Fernsehen übertragen wurden und beendete die NBC Heads-Up-Championships in den Jahren 2005 und 2006 jeweils als Zweiter.
 
Fragen Sie Chris Ferguson nach seiner schönsten Zeit, die er mit Poker zugebracht hat, wird er Ihnen wahrscheinlich von den 60-Stunden-Wochen Anfang der Neunziger erzählen, in denen er auf IRC Poker um Spielgeld gezockt hat. "Ich spiele Poker wirklich nicht gern um Geld", sagte er einmal, "aber ich bin froh, dass andere dies wollen."