Bis zum Jahr 2006 war Rafe Furst innerhalb der Pokerszene für alles Mögliche bekannt, nur nicht für seine Spielstärke. Er hatte sich, vielleicht absichtlich, ein Image als Bruder Leichtfuß aufgebaut, der sehr auf sein Glück vertraut. Wie bei Chris Ferguson verbarg das Image einen erbitterten Wettkämpfer mit immensen Fähigkeiten. In der Tat ist Furst ein Bruder Leichtfuß und er liebt es zu zocken. Immer verborgen blieben jedoch seine eindrucksvollen Qualitäten, Spieldynamiken zu verstehen, und sein Siegeswille.
Bekannt wurde Rafe Furst zunächst "als der Typ, der im Hauptturnier der WSOP nach 11 Minuten ausschied". Im Jahr 2003 übertrug ESPN zum ersten Mal das Turniergeschehen vor Erreichen des Finaltischs und konzentrierte sich dabei auf Furst, der als Erster der 839 Teilnehmer ausschied. Fursts öffentliches Image war zudem geprägt von seiner Verbindung zu den zunehmend berüchtigten Tiltboys, einer Gruppe von verrückten und besessenen Zockern, die offensichtlich ihre früheren akademischen und wirtschaftlichen Erfolge verschleuderten. Sie bildeten die Stanford-Pokerrunde (anfangs von Furst organisiert) mit Spielern, die nie erwachsen wurden und spielten um hohe Summen Schere, Stein, Papier.
Aber die anderen bekannten Tiltboys errangen wiederholt auch große Erfolge bei Pokerturnieren. Phil Gordon wurde zwei Jahre zuvor bei der Weltmeisterschaft Vierter. Perry Friedman, der den Spott über die Tiltboys als Ehrenzeichen trug, gewann 2001 ein Armband. Demgegenüber war Rafe Furst der Typ, der in elf Minuten ausschied. Seinen bemerkenswertesten Erfolg erzielte er als Frau verkleidet in einem Damenturnier im Bay 101 Casino.
Die tatsächliche Geschichte wurde langsam und Stück für Stück aufgedeckt. Furst besuchte die Universität von Stanford, wo er den Bachelor in Symboltheorie und einen Master in Informatik erwarb. Er arbeitete als Informatiker in der Forschungsabteilung für künstliche Intelligenz des Kestrel Institute. Im Jahr 1996 ließ er seine Erfolge in Silicon Valley hinter sich, um Pickem Sports zu gründen, eine Firma, die Sportwerbung im damals weitgehend unbekannten Internet unterbrachte. 1999 verkauften er und Perry Friedman das Unternehmen für insgesamt 7 Millionen Dollar in Bargeld und Aktien.
Seit er 2001 das Unternehmen verlassen hat, verlief seine Vita sogar noch unkonventioneller: Er reiste durch Europa, Afrika und Asien, schloss sich zusammen mit Phil Gordon der CancerResearch and Prevention Foundationan und sammelte für diese Geld mit dem Ultimate Sports Adventure (eine einjährige, wohltätige Odyssee, bei der die beiden in einem Wohnmobil zu über 100 Sportveranstaltungen reisten). Im Rahmen des Projekts Bad Beat on Cancerwarben sie darüber hinaus hunderte von Turnierpokerspieler dafür, 1 Prozent Ihrer Turniergewinne an die CRPF zu spenden). Außerdem gründete er mit Gordon die Inter- netseite ExpertInsight und gewann ein Vermögen mit Schere, Stein, Papier,einem Spiel, das von der Öffentlichkeit überwiegend für albern und kindisch gehalten wird, unter Fachleuten aber als Versuchslabor für die Spieltheorie gilt.
Im Jahr 2005 kam Furst bei der WSOP dreimal ins Preisgeld. Anschließend errang er einen Sieg bei der Ultimate Poker Challenge.
Im Jahr 2006 wurde Fursts Können und Scharfsinn auch einem großen Publikum bekannt. Im zweiten Turnier der WSOP 2006 ließ er über 1.100 Spieler hinter sich, triumphierte am Finaltisch, der im Fernsehen übertragen wurde, in der Variante Pot-Limit Hold'em und sicherte sich damit sein erstes Armband. Er kehrte anschließend nach Los Angeles zurück und nahm erst kurz vor dem Hauptturnier wieder am Turniergeschehen teil.
Rafe Furst hat ein Armband errungen und in den letzten zwei Jahren vier weitere Male die Preisgeldränge erreicht. Er hat in vier verschiedenenVarianten Preisgelder gewonnen: Omaha Eight-or-Better, Stud Eight-or-Better, No-Limit Hold'em (zweimal) und Pot-Limit Hold'em. Es scheint, als hätte Rafe Furst erst begonnen, in Fahrt zu kommen.