Howard Lederer ist einer der vollkommensten Turnierpokerspieler der Welt. Seine Auftritte als Kommentator bei Übertragungen im Fernsehen machen stets seine Brillanz bei der Analyse von Pokerturnieren deutlich. Seine tatsächlichen Meriten, die er sich in Zeiten erworben hat, als die WSOP noch mehrere Hundert statt Tausende von Spielern angezogen hat, werden oft übersehen.
Das kollektive Gedächtnis beim Turnierpoker reicht so kurz zurück, dass Howard Lederer mit gut vierzig Jahren einer der Veteranen ist.
Im Jahr 1987, als Lederer seine ersten Erfolge als Berufspokerspieler in New York feierte, kam er zum ersten Mal nach Las Vegas, um an der WSOP teilzunehmen. Er beendete die Weltmeisterschaft als Fünfter und wurde der jüngste Spieler, der je den Finaltisch erreichte.
Die Liste der regelmäßigen Teilnehmer an Howard Lederers Runde im Mayfair Club liest sich wie das "Who is Who" des Turnierpokers: Dan Harrington, Jay Heimowitz, Mickey Appleman, Steve Zolotow und Noli Francisco. Im Jahr 1988 freundete Lederer sich mit einem arbeitslosen Wertpapierhändler namens Erik Seidel an, der sich ebenfalls der Runde angeschlossen hatte, und ermutigte diesen, bei der WSOP sein Glück zu versuchen. Seidel beendete das Turnier als Zweiter hinter Johnny Chan und gewann später sieben Armbänder. Lederer selbst erreichte 1988 zweimal den Finaltisch.
Er gewann Turniere beim Diamond Jim Brady 1991 in Los Angeles und 1992 die Queens Poker Classic. 1993 zog er nach Las Vegas und gelangte 1993 und 1994 je zweimal an einen Finaltisch der WSOP.
Bei der Hall of Fame gewann er in den Jahren 1994 und 1995 das No-Limit-Deuce-to-Seven-Turnier. Diese Erfolge sagen eine Menge über seine Genialität aus. No-Limit Deuce-to-Seven ist eine Variante, die fast ausgestorben ist. Lederer erzählte mir, dass Jack McClelland das Durchschnittsalter eines No-Limit-Deuce-to-Seven-Spielers mit "tot" angab.
Bei dieser Variante geht es vor allem darum, ein stabiles theoretisches Grundgerüst zu besitzen und seine Gegner zu lesen. Außerdem locken Deuce-to-Seven-Turniere in der Regel nur die besten Spitzenspieler an.
Im Jahr 1995 erreichte er neben einem erneuten Sieg in diesem Turnier bei der Hall of Fame auch den zweiten Platz im Hauptturnier. (Bei der letzten Austragung der Hall of Fame Championship im Jahr 2002 gelang ihm dieses Kunststück noch einmal.) Phil Hellmuth, der Sieger im Jahr 1995, führt den Gewinn gegen Lederer immer noch als Beweis seiner Fähigkeiten im Heads-Up an.
Im Jahr 2001 gewann Howard Lederer sein erstes Armband bei der WSOP in Omaha Eight-or-Better. Er triumphierte an einem Finaltisch, an dem sich mehrere seiner späteren Kollegen von Full Tilt befanden: Chris Ferguson (7.), Layne Flack (3.) und Allen Cunningham (2.).
Im darauffolgenden Jahr 2002 sicherte sich Lederer sein zweites Armband, dieses Mal bei Deuce-to-Seven. Im gleichen Jahr erreichte er noch den zweiten Platz bei der letzten Austragung der Hall of Fame Championship. Obwohl ihm die Turniererfolge gewisse Anerkennung verschafften, bestritt er damit nicht seinen Lebensunterhalt. Dies tat er mit Cashgames auf den höchsten Limits, zunächst in New York und anschließend im Mirage und Bellagio. Er betrieb auch professionell Sportwetten, bis er Ende der Neunziger von strengen Behörden verhaftet wurde. Weiterhin erstreckten sich seine Erfolge beim Turnierpoker über alle Varianten: Finaltische bei Limit- und No-Limit Hold'em, verschiedenen Varianten von Lowball, Omaha Eight-or-Better, Stud, Stud Eight-or-Better und sogar beim chinesischen Poker. Während dieser Zeit nahm er auch häufig an Schach- und Backgammonturnieren teil.
Aber nach der WSOP 2002 traf Lederer eine Entscheidung: Er konzentrierte sich darauf, ein hervorragender No-Limit-Hold'em-Turnierspieler zu werden. Seine Gedankengänge und das Ergebnis sind in vielfacher Hinsicht charakteristisch für diesen Mann: Erstens lag darin Weitblick. Die World Poker Enterprises, eine Produktionsfirma für die Aufzeichnung von Pokerturnieren, war gerade gegründet worden. Diese besaß keine Verträge für Übertragungsrechte und schusterte sich ihr Programm aus den damals seltenen Turnieren, den wenigen Internetseiten, die bereit waren, Live-Turniere zu veranstalten, dem Bellagio und einigen Freunden des Bellagio zusammen. Lederer erkannte jedoch, dass Turnierpoker groß herauskommen konnte und wollte sich inmitten des Geschehens befinden, wenn es dazu käme.
Zweitens war sein Stolz ausschlaggebend. Nach dem Erreichen des Finaltisches bei der Weltmeisterschaft fünfzehn Jahre zuvor wartete er doch immer darauf, ein zweites Mal bei diesem Turnier ins Preisgeld zu gelangen.
Der dritte Grund war sein Ehrgeiz. Jeder, der Howard Lederer kennt, weiß, dass sein Wille unerschütterlich ist. Die Ergebnisse sprechen für sich: Zwei Turniersiege in der ersten Saison der World Poker Tour, drei Siege und drei weitere Platzierungen am Finaltisch bei den Turnieren im Bellagio zwischen April 2003 und April 2004, siebenmal in den Preisgeldrängen – darunter viermal am Finaltisch – bei der WSOP 2004. Außerdem kam er beim Hauptturnier in den Jahren 2003 und 2005 weit.
Ironischerweise hat Lederer seinen Erfolg bis zu einem Punkt getrieben, an dem sein Vermächtnis in Vergessenheit zu geraten droht: eine Reihe von erfolgreichen Lehr-DVDs, Poker-Fantasiecamps, Kommentator bei Turnieren und Sponsorenverträge, inklusive natürlich der Verbindung zu Full Tilt.