Mike "The Mouth" Matusow hat mit seiner charismatischen und widersprüchlichen Ausstrahlung weltweite Berühmtheit erlangt. Seine ekanntheit rührt so stark von seinen vor Fernsehpublikum ausgetragenen Auseinandersetzungen mit Phil Hellmuth, Sean Sheikhan, Daniel Negreanu und Greg Raymer her, dass sein Können und sein Genie am Pokertisch sehr oft übersehen wird.
Sein Aufstieg zu Ruhm und Erfolg begann bescheiden. Als er mit 21 Jahren im Möbelgeschäft seiner Eltern arbeitete, kratzte er Geld zusammen, um dieses im örtlichen Casino zu verjubeln. Während er über einen Spielautomaten in der Palace Station fluchte, an dem er sein gesamtes Geld verspielt hatte, kam ein Mann namens Phil vorbei und fragte ihn, warum er seine Zeit mit Videopoker vergeude.
"Ich kann Dir etwas beibringen, wodurch du nie mehr in deinem Leben etwas arbeiten musst."
Bemerkenswerterweise verbrachte der Fremde die nächsten Wochen damit, Matusow zu beraten und ihm die Pokerstrategie beizubringen. Außerdem ließ er ihn über seine Schulter schauen, wenn er selbst Poker spielte. (Nach einigen Minuten wollte sich Matusow mit eigenem Geld selbst an den Tisch setzen, aber Phil bestand darauf, Matusow solle zunächst nur zuschauen.) Matusow begriff das Spiel schnell, wurde in der Gegend von Las Vegas ein erfolgreicher Spieler auf den niedrigen Limits und arbeitete auch als Kartengeber.
Mitte und Ende der Neunziger spielte er vor allem Limit-Hold'em-Cashgames, arbeitete sich auf die höheren Limits im Mirage und, nach dessen Eröffnung 1999, Bellagio hoch. Als Naturtalent erwies er sich jedoch im Turnierpoker. 1997 nahm er in der Variante Omaha Eight-or-Better bei einem seiner ersten Turniere überhaupt teil und belegte bei der WSOP den zweiten Platz. Der Gewinn von 81.700 $ (das Buy-In betrug 2.000 $) ermutigte ihn, mehr Turniere mit höheren Buy-Ins zu spielen und führte zu seiner Freundschaft mit dem Turniersieger Scotty Nguyen. (Ted Forrest wurde Dritter.) Er beteiligte sich im nächsten Jahr mit einem Viertel an Nguyens Startgeld, als dessen Geldgeber kurz vor dem Hauptturnier absprang. Ngyuen gewann das Turnier und die Gewinnsumme bestärkte Matusow in seinen Träumen.
Matusow selbst gelang der Durchbruch bei der WSOP im Jahr 1999, als er sein erstes Armband bei einem No-Limit-Hold'em-Turnier gewann. Dies war der Beginn einer Serie von acht Jahren (die im Jahr 2006 immer noch anhielt), in denen er jeweils mindestens einen Finaltisch bei der WSOP erreichte. 2001 belegte er im Hauptturnier den sechsten Platz. 2002 gewann er sein zweites Armband, dieses Mal bei Omaha Eight-or-Better. In den Jahren 2003 und 2004 erreichte er jeweils bei No-Limit Hold'em einen Finaltisch. In diesem Jahr ereignete sich auch die berühmte Auseinandersetzung mit Greg Raymer gegen Ende des Turniers.
Niemand wusste, dass Matusows Eskapaden durch die Bedrohung seiner Freiheit infolge falscher Entscheidungen in seiner Vergangenheit genährt wurden.
Er hatte in seiner Freizeit mehrere Jahre Drogen konsumiert, aber im Jahr 2003 damit aufgehört. Einem falschen Hinweis folgend freundete sich ein verdeckter Ermittler mit Matusow an, der, da er keine Spuren in die Drogenszene von Las Vegas finden konnte – Matusow hatte bereits mit dem Konsum aufgehört –, Matusow überredete, für seinen "Freund" Drogen aufzutreiben. Wegen Drogenhandel angeklagt, setzte er schließlich alles daran, das Hauptturnier zu gewinnen und verlor dabei jedes Augenmaß für sein Benehmen.
Später bekannte sich Matusow in einem minderschweren Fall schuldig und wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. (Er trat die Strafe im Oktober 2006 an, weniger als eine Woche nachdem er den dritten Platz beim WPT-Turnier in Aruba belegt hatte.)
Matusows historisches Turnierjahr 2005 begann mit den letzten drei Monaten seiner Gefängnisstrafe. Kurz vor dem Ende der WSOP, die für ihn katastrophal verlaufen war, mussten zwei Freunde ihn dazu über- reden, am Hauptturnier teilzunehmen. Unter 5.600 Spielern schaffte er es zum zweiten Mal in fünf Jahren an den Finaltisch und beendete das Turnier als Neunter und einem Preisgeld von 1 Million Dollar. Im November gewann er nach einer epischen Auseinandersetzung mit Hoyt Corkins und Phil Hellmuth das Tournament of Champions und sicherte sich seinen zweiten Millionen-Scheck.
Seitdem hat Matusow mehrere eindrucksvolle Vorstellungen bei Fernsehturnieren abgeliefert und dabei zweifellos ein Vermögen gewonnen und verloren. Er ist weiterhin eine der schillerndsten Persönlichkeiten beim Poker und, wichtiger noch, eine der talentiertesten.